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1946 ging es um die Sammlung der verstreuten Evangelischen als eine humanitäre und seelische Aufgabe. Der Glaube bot sich als Anker der in Seenot geratenen Fahrzeuge an, deren Insassen nicht wussten, wo sie landen würden. Erst einmal Ruhe bekommen, zusammen mit anderen Verzweifelten Ausschau nach einem Hafen halten – das war notwendig.

Vertriebene Pastoren nahmen sich mit Hilfe der Landeskirchen in der Form eines Besuchsdienstes der Bedürftigen an.

 

Die Gründung des Hilfskomitees der Glieder der Posener Evangelischen Kirche erfolgte im Rahmen der Evangelischen Kirche in Deutschland auf Grund einer EKD-Arbeitstagung Ende Juli 1946 (mit Pastor lic. Kruska) und eines Ratsbeschlusses der EKD, auch wenn in der Sowjetischen Besatzungszone und seit 1949 in der DDR Vertriebenenvereinigungen verboten waren.

Am 13. Januar 1947 beauftragte Eugen Gerstenmaier vom Hilfswerk der EKD Konsistorialrat Carl Brummack mit dem Aufbau und der Leitung des Posener Hilfskomitees. Am 24. Juni 1947 wählte ihn der erste Posener Nachkriegskonvent zum Vorsitzenden des Komitees.

Gut, dass es Nachfolger gab wie Superintendent Richard Zellmann (19540–1957), Kreispfarrer Fritz Konukiewitz (1957–1960), Pastor Kurt Grundmann (1960–1982), Pfarrer. Waldemar Jung (1983–1990), Susanne Breitenfeld (1990–1992), Altbischof Dr. Johannes Launhardt (1992–1994), Gerd-Volker Bilau (1994) und Pfarrer Christfried Boelter seit 1995, (1992–1995 stellvertretender Vorsitzender).

Die Geschäftsleitung hatten Dr. Johannes Scholz (bis 1952), Siegmund Pawlicki (bis 1965), Pastor Dr. Threde und Pastor Wilhelm Prenzler (bis 1995).

Einer besonderen Leistung sei hier auch gedacht, nämlich der Gründung des Posener Bauvereins 1955, der sich die Errichtung des D. Paul-Blau-Haus in Lüneburg zur Aufgabe machte, das auch Posener Altenheim genannt, von 1995–2011 nannte es sich Posener Altenheim im Johanniterorden und ab 2011 nennt es sich wieder D. Paul Blau Haus.

Diese Einrichtung wurde Zentrum der evangelischen Posener in Deutschland und auch von den Teilnehmern der Posener Jugendtagungen vor allem in den sechziger Jahren (unter Pastor Blümel) aufgesucht. Ein großer Teil der dort aufgebaute Posener Bücherei wurde später als Leihgabe dem Institut für Kultur und Geschichte der Deutschen in Nordosteuropa e.V. in Lüneburg zugewiesen und damit einer breiteren Allgemeinheit nutzbar gemacht. Auch nach Thüringen in den Klosterpark Reinhardsbrunn ist eine Leihgabe gegangen

Posener Pastoren waren auch beteiligt am Konvent der ehemaliegen evangelischen Ostkirchen (seit 1950) und am Kirchendienst Ost (Dr. Kammel, Klawun, Dr. Ilse Rhode, Prof. lic. Kruska).

1976 war die Zahl der Pastoren aus der Heimat erheblich geschrumpft. Die soziale Aufgabe war erledigt, soweit sie die finanziellen Starthilfen des Lastenausgleichs betraf. Die Kirchen im Westen und die Parteien verloren das Interesse an den Deutschen aus dem Osten, da ihre Integration weit vorangeschritten war und die jüngere Generation bis auf Ausnahmen besondere Organisationen nicht mehr wollte und nicht mehr brauchte.

Diese Beobachtung führte angesichts des weiterhin bestehenden Bedarfs der Älteren zur Gründung der Gemeinschaft Evangelischer Posener, in der das Laienelement zwangsläufig eine zunehmend bedeutendere Rolle spielte, da die Zahl der „Heimatpastoren“ für einen Pastorenkonvent zu gering wurde.

2013: Die Erlebnisgeneration besteht nur noch in Resten. Die Volksschulabgänger von 1944 sind jetzt 83 Jahre alt. Durch die Wiedervereinigung des 1945 entstandenen und 1948/49 geteilten Vierzonen-Deutschland und Berlins durften auch offiziell Landsleute aus Brandenburg und dem bisherigen Ost-Berlin an den Veranstaltungen teilnehmen, was durch Gottesdienste und Vorträge in Potsdam und Berlin sichtbar wurde. Vorsitzender wurde mit Pfr. Christfried Boelter ein Thüringer mit väterlicher Wurzel in der Posener Kirche, und das Tagungsheim Friedrichroda im Thüringer Wald wurde bis 2010 von der Posener Gemeinschaft genutzt.

Bleibende Fundamente sind regionale (Heimat-) Gottesdienste (bis 1994 auch Posener Kirchentage), die Zeitschrift „Posener Stimmen“, die Sehnsucht nach Bindung, das Interesse am Posener Land und die Mitarbeit in der Landsmannschaft Weichsel-Warthe.

Erst später entwickelt werden konnten Kontakte zu evangelischen Polen und zu katholischen, sich als Deutsche empfindenden polnischen Staatsangehörigen mit engen kulturellen und verwandtschaftlichen Bindungen zu den Polen.

Der Vorstand ist immer nur so gut wie seine Geschäftsführerin, und das ist seit langen Jahren, seit 1992, die schon seit über drei Jahrzehnten mit der Bearbeitung unserer Anliegen vertraute, bescheidene und zugleich hartnäckige Karin Ziegeler, die durch ihre Tätigkeit im Posener Altenheim schon länger mit den Posenern vertraut war und über ihre eigentliche Aufgabe hinaus viel für uns geleistet hat, wofür wir ihr außerordentlich dankbar sind und ihr an dieser Stelle unsern großen Dank aussprechen. Sie konnte viel von Pastor Wilhelm Prenzler als einem der letzten aktiven Heimatpastoren profitieren, der bereits 1946/47 kleine kirchliche Posener Treffen – Vorläufer der Posener Kirchentage - mit Konsistorialrat bzw. Propst Hein und Konsistorialrat Nehring in Friedrichroda und Eisenach durchführte, Eisenach zu einem Sammelpunkt ehemaliger Posener Diakone gemacht hatte und noch in den neunziger Jahren evangelische Deutsche im Posener Land aufsuchte und mit ihnen Andachten in der seit Jahrzehnten vermissten deutschen Sprache abhielt.

Wilfried Gerke

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